Ebenso wie Thalia versucht Libreka nicht, ein eigenes geschlossenes Netzwerk aufzubauen, sondern an einem größeren Netzwerk teilzunehmen. Anfangs wurde deswegen PDF als Dateiformat für die E-Books empfohlen: »Wir wollen möglichst alle E-Book-Reader bedienen. Mit dem Mobilen PDF schaffen wir das – einfach und kostengünstig« Allerdings wurde bereits die Möglichkeit zur Umwandlung in EPUB angeboten. Als EBUP sich als neuer Branchenstandard abzeichnete, setzte sich auch Libreka dafür ein und entwickelte (nach eigenen Aussagen) ein Verfahren des weichen DRM für EPUB. Als hartes DRMS wird wie bei Thalia auch ADE verwendet. Lesegeräte können bei Libreka nicht erworben werden, es können jedoch entsprechend alle Endgeräte genutzt werden, die mit EPUB und ADE kompatibel sind – also nahezu alle aktuellen Lesegeräte. Der Verkauf von E-Books findet über den Online-Auftritt statt und setzt somit von Kundenseite einen Computer mit Internet-Anschluss und Browser voraus.
Libreka nutzt also im Wesentlichen Trittbrettfahrerstrategien. Die genutzten Dateiformate PDF und EPUB wurden von Adobe beziehungsweise IDPF entwickelt. Ebenso werden keine besonderen Anforderungen an den Nutzer gestellt (wie etwa beim iBookstore), was potenziell jeden Internet-Nutzer zu einem Libreka-Kunden macht (ausgenommen Linux-Nutzer, sofern es sich um DRM-geschützte E-Books handelt). Auch soll eine möglichst große Bandbreite an Lesegeräten bedient werden, was sich in der Auswahl der Formate widerspiegelt. Allerdings hat Libreka sich nicht (dauerhaft) aktiv für die Verbreitung der Lesegeräte eingesetzt, also sich in weiten Teilen darauf verlassen, dass mit der Zeit ausreichend E-Book-fördernde Geräte an den Markt gebracht werden. Nur das Format EPUB wird durch die Entwicklung des »digitalen Wasserzeichens« unterstützt, was als Sponsorenstrategie angesehen werden kann. Denn durch diese Ergänzung könnte das Format für Verlage interessanter werden.
Insgesamt ist Libreka somit eher ein passiver Teilnehmer bei der Standardisierung. Es werden in erster Linie etablierte oder vielversprechende Standards genutzt und diese damit unterstützt. Die Ziele sind hierbei, den Markt für Kunden möglichst offen zu halten (somit also Wechselkosten gering zu halten), aber auch die Reduzierung eigener Investitionen. Insgesamt ist dies als eine günstige Strategie einzustufen, da Libreka wahrscheinlich Ressourcen und Reputation fehlen, um ein eigenes geschlossenes Netzwerk aufzubauen. Allerdings kann kritisiert werden, dass Libreka sich zu sehr auf andere Marktteilnehmer verlässt, etwa indem (gegenwärtig) keine Lesegeräte auf der Website verkauft werden. So besteht etwa die Gefahr, dass der Kunde Loyalität zu dem Anbieter entwickelt, bei dem er das Lesegerät erworben hat. Libreka befindet sich damit einer relativ starken Abhängigkeit von anderen Marktteilnehmern und verschlechtert damit die eigenen Chancen, als Anbieter von E-Books wahrgenommen zu werden. Die Unterstützung des weichen DRM für EPUB ist jedoch positiv einzustufen, da auf diese Weise das offene Format weiter gefördert wird.
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