Libreka hat den Markt als Imitator von Amazon betreten, kann jedoch (wie Thalia auch) in Deutschland als ein Pionier gerechnet werden. Dies wird aus dem Aufruf von Ronald Schild im April 2008 deutlich: »Die Gefahr, dass große Online Player den Markt monopolisieren wächst umso mehr, je länger Verlage und Sortimenter brauchen, um eigene Angebote an den Start zu bringen.« Libreka hat die Funktion zum E-Book-Erwerb im März 2009 der Site hinzugefügt und in Pressemeldungen war umgehend von einem Angebot von über 100.000 E-Books die Rede. Trotzdem wurden nach Angaben des umstrittenen Schreibens Libreka ungeschminkt im September 2009, also immerhin ein halbes Jahr später, nur knapp 30 E-Books verkauft. Diese Angaben wurden vom Börsenverein nicht bestätigt, allerdings auch nicht dementiert, Zahlen zu Libreka werden nicht veröffentlicht. Sollten diese Zahlen allerdings zutreffend sein, so würde der Schluss naheliegen, dass Libreka die Vorteile eines Imitators nicht ausgenutzt hätte.
Zunächst wurden in Berichten zu Beginn des E-Book-Verkaufs offensichtlich falsche Angaben gemacht. Laut Konrad Lischka waren zu diesem Zeitpunkt kaum E-Books zu erwerben, Bestseller fehlten gänzlich. Er zitiert Ronald Schild mit den Angaben:
Wir verkaufen im Moment einige tausend der hunderttausend auf Libreka hinterlegte Titel als E-Book. Wir werden das Angebot schnell ausbauen. Ich erwarte, dass wir in einigen Monaten jedes dritte bis vierte auf Libreka verfügbare Buch als E-Book verkaufen.
Der Arbeitskreis unabhängiger Sortimente im Börsenverein hat das Angebot später genauer beziffert: im Mai 2009 waren es 11.605 angebotene E-Books, davon gerade mal 185 im Bereich Belletristik. Setzt man dem das frühe Angebot der anderen betrachteten Anbieter und deren jeweiligen Erfolg entgegen, so scheint das Startangebot zu gering gewesen zu sein. Möglicherweise hat dies auf Kunden, die sich zum Start Libreka angesehen haben, einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Damit wäre der Ausbau des Angebots zu spät erfolgt. Hinzu kommt, dass Libreka nicht ursprünglich dem Kunden als Anbieter von Büchern (wie Amazon oder Thalia) oder anderen digitalen Gütern (wie Apple) bekannt ist. Zudem hat Libreka nicht selbst für ein Lesegerät gesorgt und damit die Entwicklung von Komplementen nicht aktiv unterstützt.
Damit ist festzuhalten, dass Libreka die Vorteile des Imitators nicht ausgenutzt hat. Dies ist eine schlechte Voraussetzung, um ein Gegengewicht zu etablierten Online-Anbietern darstellen zu können.
Alle Quellenangaben wurden in dieser Leseprobe entfernt. Die Quellenangaben befinden sich im Buch.