Auch wenn der E-Book-Markt recht jung ist, so ist das Konzept selbst schon deutlich länger in der Diskussion. So finden sich, wie bei einigen weiteren mittlerweile verwirklichte Technologien, bereits erste Ideen dazu in Science-Fiction-Serien der 1960er Jahre. Erste reale Ansätze gab es 1971 mit dem von Michael Hart begründeten Project Gutenberg, welches noch heute freie E-Books anbietet. In den folgenden Jahren gab es einige Entwicklungen im Bereich E-Book, die recht erfolgreich waren. Hierzu gehören etwa Wörterbücher und Lexika in elektronischer Form, beispielsweise die Microsoft Encarta Multimedia Encyclopedia auf CD-ROM , oder Fachbücher in elektronischer Form über Datenbankhosts, zum Beispiel bei GBI Genios. Lange Zeit konnte das elektronische Buch sich allerdings nicht auf dem Massenmarkt von Büchern etablieren. Romane wurden weiter fast ausschließlich als gedruckte Bücher veröffentlicht und von den Kunden gelesen, die E-Books von der Öffentlichkeit und den Medien kaum wahrgenommen. Einen Versuch zur Verbreitung gab es in den 1990ern, der mitunter als erster »Hype-Zyklus« bezeichnet wird. Kennzeichen dieses Versuches waren die Distribution über das Internet, die Nutzung von PDF als Dateiformat und erste Lesegeräte, zu diesem Zeitpunkt mit LCD-Bildschirm. Doch das Lesen von Büchern über einen Bildschirm wurde (und wird bisweilen immer noch) als anstrengend und als dem gedruckten Buch unterlegen empfunden. Auch ein ausreichend großes Angebot gab es nicht. Elektronische Bücher wurden von den Konsumenten nicht akzeptiert, die kritische Masse nicht erreicht und die E-Books sowie Lesegeräte blieben auf diesem Markt in der Bedeutungslosigkeit. Eine zweite Generation von Lesegeräten konnte dies 1998 nicht ändern.
Die Situation änderte sich, als Amazon Ende 2007 in den USA den Kindle veröffentlichte. Sowohl dieses Gerät als auch der bereits zuvor veröffentlichte Sony Reader nutzen die E-Ink-Technologie, welche einen ähnlichen Lesekomfort wie ein gedrucktes Buch bieten soll. Zu Beginn schätzten Analysten den Kindle recht unterschiedlich ein, beispielsweise sah Cott Devitt (Stifel, Nicolaus & Co.) das Potenzial zur Wiederbelebung des Marktes, während Ross Rubin (Marktforschung NPD Group) einen hierdurch ausgelösten »Hype« für unwahrscheinlich hielt. Doch es stellte sich heraus, dass der Kindle von den Kunden angenommen wurde.
Inspiriert vom Sony Reader und Kindle folgten neue Entwicklungen im Bereich Lesegeräte und weitere Unternehmen am Buchmarkt nahmen E-Books in ihr Angebot auf. Im Bereich Lesegeräte zeigten sich verschiedene Präferenzen: Während in Japan eher Mobiltelefone als Lesegeräte bevorzugt wurden, dominierte in den USA der Kindle, doch andere auf E-Ink basierende Lesegeräte wurden entwickelt (beispielsweise der Nook von Barnes & Noble ). Funktionen wie Touch-Screen oder WLAN-Verbindung breiteten sich aus.
Im Januar 2010 verkündete Amazon, immerhin größter Anbieter am US-amerikanischen E-Book-Markt, im vergangenen Weihnachtsgeschäft mehr Umsatz mit Elektronikartikeln als mit gedruckten Büchern gemacht zu haben und dass der Kindle daran einen nicht unerheblichen Anteil gehabt habe. Im gleichen Monat wurde jedoch mit dem Apple iPad der gegenwärtig größte Konkurrent des Lesegerätes vorgestellt. Das Multifunktionsgerät, auf dem auch E-Books gelesen werden können, entpuppte sich als großer Erfolg. Mehrere Anbieter von Lesegeräten senkten daraufhin den Preis, darunter auch Amazon. Kurz darauf, im Juli 2010, verkündete Amazon eine Verdreifachung des Kindle-Absatzes – und dass im vergangenen Halbjahr mehr E-Books als gedruckte Bücher abgesetzt wurden. Dieses Ereignis kann als Erreichen der kritischen Masse gewertet werden und zeigt, dass E-Books zumindest in den USA als massenmarktfähiges Produkt akzeptiert wurden.
Alle Quellenangaben wurden in dieser Leseprobe entfernt. Die Quellenangaben befinden sich im Buch.